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fünften Anlauf. Besonders erwähnenswert: Mit auf dem Gipfel stand Sherpa Gyaltzen Norbu (auch, aber falsch: Galalzen Norbu; Gyalzen Norbu), dem ein Jahr zuvor
als Mitglied einer französischen Gipfelmannschaft die Erstbesteigung des Makalu (8463 m) gelungen war! Norbu wurde zwar nicht weltberühmt wie seine Kollegen Pasang Dama Lama (Erstbesteigung des Cho Oyu) oder Tenzing Norgay
(Erstbesteigung des Mount Everest), aber er war der erste Mensch, dem - wenn auch mit Flaschensauerstoff - die Erstbesteigung zweier (!) Achttausender gelang. Ihm folgten Hermann Buhl (1953, 1957) und Kurt Diemberger (1957, 1960).
Gyaltzen Norbu starb später am Langtang Lirung (7234 m) unter einer Eislawine. Eine lokale
Bezeichnung für den achthöchsten Berg der Erde ist Kutan I. Sie wird heute aber nahezu nicht mehr verwendet. Der Name Manaslu hat seinen Ursprung im Sanskrit, der alten indischen Schriftsprache, die bereits im 6. Jahrhundert vor
Christi als Volksprache ausgestorben ist. Dort findet man den Begriff “Manasa“. Die Übersetzung von Manaslu ist nicht ganz unumstritten. Sie kann bedeuten: “Berg der Seelen“; andere nennen ihn “Seele des Himalaya“. Selbst der
große Himalaya-Chronist der fünfziger Jahre, Günter Oskar Dyhrenfurth, machte bei der Nomenklatur der hohen Gipfel des Himalaya und des Karakorum einen großen Bogen um den Berg Manaslu. Er nennt das ihn behandelnde Kapitel in
seinem Standardwerk “Der dritte Pol“ klugerweise “Beiderseits des Buri Gandaki“, und begibt sich damit nicht auf dünnes Eis, sondern bezieht sich ganz allgemein auf die Region Manaslu, Ganesh-Himalaya und auf das Massiv des Himal
Chuli (7864 m). Im englischen nennt man den Manaslu “Mountain of Spirit“, wörtlich übersetzt “Berg des Geistes“. Dabei ist natürlich kein “Spukgespenst” gemeint, sondern eine andere Geistigkeit!Vergleichsweise ist der Manaslu
ein “leichter“ Achttausender. Hans Kammerlander: “Der Weg auf den Manaslu ist über weite Strecken reines Gehgelände.“ Dass er aber nicht nur ein leichter “Mountain of Spirit“ ist, sondern auch zu einem Schicksalsberg werden kann,
beweisen mehrere Episoden, die den “Weg auf des Messers Schneide“ beim Höhenbergsteigen und den Tod am Berg in all seinen Facetten schildern. Wir schreiben das Jahr 1972. Der junge Reinhold Messner ist noch nicht der “Magier des Höhenbergsteigens“, den wir ihn zehn Jahre später kennen werden. Nach Genesung seiner Nanga
Parbat–Erfrierungen bricht er im Vormonsun zu seinem zweiten Achttausender auf. Leiter der Expedition ist der Österreicher Wolfgang Nairz. Dem Team, so Messner später, war es “...dank der Begeisterung und der Erfahrung aller
möglich, eine Route durch die äußerst schwierige 4000 Meter hohe Südwand des Manaslu zu legen“. Am 25. April steht er auf seinem zweiten Achttausender. Er beschreibt ihn so: “Ein Felszacken, einige Nebel, ein Häufchen Steine. Das
war der Gipfel. Knapp darunter zwei Haken und Fetzen einer gewesenen Flagge...“ Messner schlägt einen der Gipfelhaken heraus, steckt ihn als Beweis seiner Besteigung ein und beginnt mit dem Abstieg. Gefährte Franz Jäger war längst
vorher umgekehrt. Im einbrechenden Nebel und im Sturm irrt Messner über das riesige Gipfelplateau, hört die Stimme Jägers, sucht, und findet schließlich das rettende Zelt mit den nachgerückten Bergsteigern Horst Fankhauser und Andi
Schlick. Aber Jäger ist nicht da! Fankhauser und Schlick beginnen auf dem Plateau mit der Suche, Schlick geht im Sturm verloren, Fankhauser überlebt die Sturmnacht bei Minus 30 Grad in 7500 Meter Höhe in einer Schneehöhle. Schlick
und Jäger werden nie mehr gesehen. Traurige Paralelle: Zwei Wochen vorher hatte eine koreanische Expedition auf der Nordseite fünf Teilnehmer und zehn Sherpas durch ein Lawine verloren. Auch die erste erfolgreiche
Frauenexpedition an einem Achttausender (1974) hatte am Manaslu ein Opfer zu beklagen. Es waren Japanerinnen, und von Frau Suzuki fand man nahe des vierten Lagers (6550 m) nur noch ihren Eispickel, die Sauerstoffflasche und den
Rucksack. Etwas weiter entfernt lagen eine rote Daunenjacke und der Anseilgurt... |